„Es sind unzweifelhaft dieselben Quellen, die
einerseits für den Musiker zum Antrieb werden,
Partituren zu schreiben und Musikkompositionen
aufzuführen oder interpretieren zu lassen und
andererseits den bildenden Künstler zu Bildkonzepten
und zum Bilder-Malen animieren: Kreativität und
Imagination, wozu es natürlich auch der Fähigkeit
und der Mittel zur akustischen oder optischen
Mitteilung bedarf. Das Werk selbst vermittelt sich
zum einen über das Gehör, zum anderen durch die
Augen und läßt die Botschaft beim Rezipienten zum
Erlebnis werden, so er einen Sensus dafür hat.
Man sollte sich dabei bewußt sein, daß sich eine
musikalische Komposition, z.B. eine Sinfonie, einzig
im Nacheinanderhören der Töne und Akkorde entfaltet
und vollendet, während ein Werk der Malerei mit
einem Blick in seiner Ganzheit erfaßbar wird. Daraus
rekrutiert, daß auf Grund der zeitlichen
Unterschiedlichkeit des Erlebnis-Prozesses – in der
Musik im Nacheinander, in der Malerei in der Totale
– ein Bild nicht die ablesbare Wiedergabe eines
Musikwerkes, durch Farben, Linien und Formen
interpretiert, zum Ziel haben kann. Das wäre ein
Mißverständnis. Es würde auch die freie Entfaltung
des Schöpfungs- und Schaffensprozesses empfindlich
hemmen, wenn nicht gar zunichte machen, wollte man
synchron zu der gerade zu hörenden Musikfolge die
malerische Entsprechung ins Bild bringen. Der Fluß,
der Pinselstrich, die Konstellation der
Flächenfarben fordern ihr eigenes Leben und
Reagieren.“
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Seiten in Farbe